Avengers: Infinity War

Am Anfang des Universums stand der Big Bang. Überreste seiner Energie wurden in sechs Steine geschmiedet, die jeder für sich einen Teilaspekt des Lebens verkörpern. Einen Stein zu führen macht einen schon unglaublich mächtig. Zwei Steine zu führen kam bisher auch nicht vor, doch Thanos hat den Willen und die Möglichkeit, sie alle zu vereinen. Er will damit einen schrecklichen Plan in die Tat umsetzen. Thanos, ein Überlebender des Titan, musste mit ansehen, wie sein Planet sich selbst vernichtete und schwor, das Gleichgewicht im ganzen Universum wieder herzustellen.

„Infinity War“ setzt direkt nach den Ereignissen von „Thor: Tag der Entscheidung“ (also im Weltall) bzw. „Black Panther“ (auf der Erde) an und wir bekommen zu sehen, was Thors Schiff voller Asgard-Flüchtlingen zustößt. Diese Eröffnung legt die Grundlage für alles Weitere und setzt uns der Atmosphäre aus, die uns den ganzen Film über begleiten soll. Zehn Jahre lang werden wir inzwischen mehrfach im Jahr mit zweistündiger Unterhaltung aus dem Marvel-Comicuniversum versorgt. Gefühlt wurde gerade bei den letzten drei Filmen – inklusive „Infinity War“ – die Schlagzahl erhöht und das Marvel-Jahr ist noch nicht gelaufen. Kaum war Thors Schwester Hela besiegt und Asgard im wohl besten Thor-Film durch die Klinge von Sutur zu Sternenstaub zerborsten, wurden wir nach Wakanda eingeladen. Wakanda – wo Magie und Hochtechnologie ineinander fließen und Tradition das Handeln Aller definiert. Beide haben jeder auf seine Weise gespalten und dennoch ihr Publikum gefunden, wobei Marvel wohl vom Erfolg von „Black Panther“ überrascht wurde, wenn man sich den – im Vergleich doch geringen – Anteil der Afrikaner an „Avengers: Infinity War“ ansieht. Sicher, Wakanda ist ein Schauplatz des Films, doch bleiben die Charaktere etwas untergenutzt. Ich verrate glaube ich auch nicht zu viel, wenn Rhodes aka War Machine und Falcon auch wieder mal eher am Rande auftreten. Das gleiche Schicksal teilt Wong, der neben Dr. Strange, als einzig anderer Meister der mystischen Mächte, einen Auftritt hat.

Der Film schafft es aber trotz der genannten, wenig benutzten Figuren, ein durchaus gefälliges Gleichgewicht zwischen allen Schauplätzen und den dort handelnden Figuren herzustellen. Ich las im Vorfeld, dass keine der bekannten Figuren eine große Entwicklung erfahren würde und das ist zwar im Grunde richtig, aber auch völlig unnötig für ein so komplexes Spektakel wie „Infinity War“. Schließlich bekamen alle Avengers, Guardians, Asgardianer und Wakandaer dazu bereits Gelegenheit – in ihren eigenen Filmen. Thanos steht im Mittelpunkt von „Infinity War“ und wir erfahren endlich, was ihn umtreibt. Und so sollte es auch sein. Ich war überrascht welche Tiefe Thanos dann nämlich bekommen hat und wie wahnsinnig er auch scheinen mag, eine – für ihn – schlüssige Logik hinter seinem Handeln steckt. Josh Brolin unter der digitalen Maske des Thanos wird unterstützt von seinen Kindern, geraubten Ziehkindern wie Gamora und Nebula, die sich in der Black Order versammeln. Diese seine Generäle, seine verlängerten Arme, schickt er aus, um die Infinity Steine einzusammeln, nun da er weiß, wie auch wir als Zuschauer wissen, wo sie alle zu finden sind. Alle bis auf einen. Doch das Geheimnis um den Seelenstein, ist einer der faszinierendsten Teilaspekte des Films und soll hier nicht weiter besprochen werden. Marvel entschied sich dazu, die Black Order und Thanos zwar mit Schauspielern zu drehen, aber hinter digitalen, statt prosthetischen Masken zu verstecken. Das funktioniert bei Thanos und Ebony Maw zwar ganz gut, aber da, bis auf Thanos selbst und den Hühnen Cull Obsidian keine Größenunterschiede zu Menschen zu erkennen sind, finde ich die Entscheidung fragwürdig. Hier und da kann man eine gewisse unnatürliche Bewegung der digitalen Geschöpfe ausmachen. Wo wir gerade bei CGI sind, die nicht dem im Durchschnitt hohen Niveau des Films entsprechen: Bruce Banner schlüpft im Laufe des Films in den Hulk-Buster-Anzug und sieht ohne Helm einfach nur dämlich aus. Ebony Maw und sein Auftritt waren tatsächlich das Spannendste und Coolste an der Black Order.

Davon abgesehen sieht jeder Schauplatz fantastisch aus und auch sehr deutlich anders zu jedem anderen. Neben bekannten Orten wie New York, Wakanda und Knowhere ist mir v.a. ein visuell spannender Ort hängen geblieben, den Thor mit Rocket und Groot besucht. Episch ist ein Wort, dass im Zusammenhang mit modernen Blockbustern oft verwendet wird und vielleicht auch oft ohne Bedacht. Hier kann man es wohl aber ohne Bedenken und mit vollem Recht einsetzen. Doch kommen wir zu dem Beef, den ich mit „Infinity War“ habe. Peter Quill aka Starlord war im ersten „Guardians“ noch super, ließ aber schon im, an sich schwächeren, „Guardians 2“ nach und wurde da schon langsam als rein launenhaft agierender Kerl aufgebaut. Seit „Infinity War“ weiß ich auch warum. Leider wird Chris Pratts Figur unglaubhafte Entscheidungen treffen, die den ganzen Fluss der Erzählung beeinflussen. Ich soll diese nach „Guardians of the Galaxy, Vol. 2“ wohl akzeptieren, aber das ist alles zu konstruiert. Konstruiert ist auch, wie die beiden Paare des MCU – Gamora & Quill und Scarlet Witch & Vision quasi vor die exakt selbe unzumutbare Aufgabe gestellt werden. Dass es hier nicht kreativer wurde, ist ein wenig enttäuschend. Tatsächlich ist der ganze Part in Wakanda bei genauem Überlegen enttäuschend und unnötig martialisch, da hier Steve Rogers‘ Credo, dass ein Leben genauso viel Wert sein sollte, wie das Vieler ad absurdum geführt wird. Es ist ein unglaublicher Kraftakt so viele Figuren sinnvoll unter einen Hut und in zweieinhalb Stunden Spielzeit zu stopfen und trotz dieser Unzulänglichkeiten, sind es Unzulänglichkeiten auf hohem Niveau. Das haben die Russo-Brüder schon ganz gut gemacht und ich würde lügen, nicht auf die Auflösung gespannt zu sein. „Black Panther“ hat mich aber insgesamt einfach mehr beeindruckt.

Fazit:

„Infinity War“ ist das „Die letzten Jedi“ des MCU. Es spaltet und macht emotional, denn jeder hat seinen Liebling und fiebert mit ihm, oder ihr, mit. Aber es hat eben auch nur ein offensichtlich vorläufiges Ende. Dinge die passieren, werden einfach so ganz offensichtlich nicht stehen bleiben. Würde ich nicht wissen, welche Filme geplant sind und wäre ein Hinweis von Dr. Strange nicht ganz so mit dem Holzhammer verabreicht worden, hätte das Ende – wie heißt es so schön – mehr „Impact“. Was ich auf gar keinen Fall empfehlen kann, ist die deutsche Synchronfassung. Gerade – und leider ist es wieder Chris Pratt – Quill klingt furchtbar naiv und die ganzen Wortwitze (nicht nur seine) zünden überhaupt nicht, da für sie offenbar keine gute Entsprechung im Deutschen gefunden werden konnte. Mich hat in einer deutschen Vorstellung die darübergelegte Tonspur echt ein paar Mal aus der Situation geholt. So offensichtlich schlecht war sie qualitativ. Ich kann mir vorstellen, dass es hier unglaublichen Zeitdruck gab, und das Endprodukt dadurch leider leidet. Insgesamt, machen die Szenen mit Thanos und die diversen Team-Ups aber echt Spaß und dieser Ride von Film hat keinen langweiligen Moment.