Das war der Januar und seine Filme

Leider fehlen mir aufgrund der Feiertage und dem Jahreswechsel, die ersten beiden Januarwochen und so habe ich erst für die Dritte wieder Neustarts gesehen. „Der Geschmack von Rost und Knochen“ aus der zweiten Januarwoche werde ich noch irgendwann nachholen müssen.

In der dritten Januarwoche beglückte uns Quentin Tarantino mit seinem neuesten Rachefeldzug. In Django Unchained kopfgeldjägern sich Jamie Foxx und Christoph Waltz durch die Südstaaten Amerikas. Von mir gab es dafür 7 von 10 rauchende Colts:

Tarantino lockt mit seiner Handschrift ins Kino und geneigte Zuschauer sollen nicht enttäuscht werden. Gerade Waltz spielt einmal mehr oscarwürdig und stellt die drei alten Hollywood-Hasen echt in den Schatten. Wenn ihr einen Kinobesuch anstrebt, nutzt euer hart verdientes Eintrittsgeld im Januar hierfür. Mir war einfach nicht genug Neues in „Django“ für eine höhere Wertung, sondern einfach noch ein Tarantino-Rachestreifen. Das funktioniert zwar nach wie vor, aber er verlässt auch nicht sein sicheres Territorium.

Wer keine Lust auf literweise Filmblut hatte, konnte sich auch „House at the End of the Street“ ansehen, in dem Jennifer Lawrence – die seit „Winter’s Bone“ einen Gig nach dem anderen landet („X-Men: Erste Entscheidung„, „Die Tribute von Panem – The Hunger Games„) – einem Familiendrama auf die Schliche kommt, der die Kategorie ‚Thriller‘ kaum verdient hat. Leider gab es dafür nur 4 von 10 Angsthasis:

„House at the End of the Street“ schafft es nicht, durch seine Charaktere und/oder eine bedrohliche Stimmung in den Bann zu ziehen und so ist es am Ende leider so, dass die Frage nach dem Warum kaum noch interessiert. Da hätten genauso gut Aliens involviert sein können, es würde keinen großen Unterschied machen (Spoiler: keine Aliens). Die Geschichte ist einfach zu linear erzählt – es gibt keine falschen Fährten auf die das Publikum geführt wird und langhaarige blasse Mädchen im Nachthemd sind einfach overdone.

In der dritten Woche waren es gleich drei Filme, die mich ins Kino zogen, nur „Lincoln“ gehörte bisher leider nicht dazu. Den Anfang machte „Yossi„, in dem wir 10 Jahre nach „Yossi & Jagger“ auf den Überlebenden des damaligen Paars treffen, dessen Leben mehr oder weniger still steht und für den nur die Arbeit zählt. Sein Weg aus der selbstgewählten Isolation, zurück in ein aktives Leben, wird mit Humor und einem Spritzer Romatikcliché gezeigt. 8 von 10 Seeigel konnte der israelische Film von mir einfahren:

„Yossi“ ist ein gelungener Nachfolger des Kriegsdramas „Yossi & Jagger“, der zeigt, dass es selbst für die schwierigsten Fälle Hoffnung gibt.

Dazu gesellte sich ein Ensemble-Film, auf den ich schon seit letztem Jahr gewartet habe: „Gangster Squad„. Ich habe eine ausgesprochene Schwäche für das Los Angeles Ende der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts und seine Gangster- & Cop-Geschichten. Filme wie „Black Dhalia“ und „L.A. Confidential“ & das grandiose Spiel „L.A. Noire“ – vom durch Skandale implodierten Spieleentwickler Team Bondi – sind die prominentesten Beispiele von Geschichten in jener Zeit. „Gangster Squad“ löst sich nun vom Ein-Fall-Pro-Geschichte-Muster und basiert auf der wahren Geschichte, wie eine Gruppe Polizisten des LAPD Jagd auf Mafioso Mickey Cohen machten. Von mir gab es dafür volle Punktzahl und das ist sowas von nicht objektiv:

Wer wie ich auf Gangster-Stories steht muss den Film sowieso sehen und alle anderen könnten hiermit locker zum Fan werden. Regisseur Ruben Fleischer („Zombieland“, „30 Minuten oder weniger“) überzeugt erneut mit einer hervorragenden Leistung in einem ganz anderen Genre. Ihr werdet den Kinobesuch ganz sicher nicht bereuen.

Zu guter Letzt sah ich die wohl seltsamste und derbste Komödie, die ich seit „American Pie“ erleben durfte. Hat „American Pie“ über die Zeit viel von der damaligen einzigartigen Unverblümtheit über die Zeit eingebüßt, versucht man in „Movie 43“ ganz neue Höhen zu erreichen. Ich weiß nicht genau warum sie mich so angesprochen hat, denn damit stehe ich glaube ich fast alleine da, aber das Ausleben aller ungezügelten Gedanken und die satirischen Werbespots funktionieren sehr gut als bitterböses Kommentar auf unsere Realität. Vielleicht sind 9 von 10 selbstgemachte Guacamoles zu viel des Guten, aber so empfand ich das nunmal direkt nach dem Kinobesuch:

„Movie 43“ ist die wohl bisher kompromissloseste Hollywood-Comedy, die alle Grenzen – vor allem die des sogenannten guten Geschmacks – überschreitet. Wer sich 90 Minuten allerderbsten Humor geben kann und vielleicht auch ein wenig Ekel überwinden will, ist hier genau richtig.

Vergangene Woche liefen natürlich auch neue Filme an, aber weder Arnold Schwarzeneggers erste Hauptrolle – nach seinem Scheiden als Gouverneur von Kalifornien – in „Last Stand“, noch der oscarnominierte halb-dokumentarische Thriller um das Suchen nach und Finden von Osama Bin Laden „Zero Dark Thirty“ interessieren mich.

Nächste Woche dürfen Til-Schweiger-Fans für ihn und seine Tochter, in der Fortsetzung von „Kokowääh“, in die Kinos strömen. Ich mach derweil was anderes.

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